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Hier finden Sie Bücher, die mir gefallen.
Nicht immer brandneu. Nicht immer Bestseller. Nur lesenswert.



Verzeihen Sie die Eigenwerbung, aber die vierzehn Geschichten in dem Büchlein gefallen mir schon. Obwohl ich sie selbst geschrieben habe. Aber das an sich ist ja noch kein Verbrechen. Meinen Verlegern gefielen sie auch und das ermutigt mich, mich an dieser Stelle so weit aus dem Fenster zu lehnen.
Und Werbung muss bekanntlich sein. Also stelle ich mich mal in eine Reihe mit gestandenen Schreibern und hoffe, es färbt ein wenig auf mich und meine Geschichten ab.
Die kürzeste ist übrigens wenig länger als eine Seite, die längste über siebzig. In allen geht es um den alltäglichen Lebenskampf. Dieses Durchwursteln durchs Gewöhnliche. Manchmal ernst, mit stillem Witz und oft auch mit tieferer Bedeutung ist es ein Büchlein, das vielleicht nicht unbedingt nötig war, das aber zwei oder drei Lesenachmittage lang nachdenkliche Unterhaltung liefert.
Das Buch kann man überall kaufen. Am schnellsten hier:Bestellen



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Dieses Buch ist mir zugelaufen. Urlaub, Sonnenglut und Lust zum Stöbern hatten mich in eine große Buchhandlung geführt. Die Wühltische, die Zweitplatzierungen und die Bestseller-Regale hatte ich schon passiert. Vor dem Lyrik-Regal in einem der oberen Stockwerke fragte ich die Verkäuferin nach Peter Rühmkorf. Wir kamen ins Gespräch über Bestseller (Denen wir beide – gelegentlich zu Unrecht -  misstrauten.), über den Verkauf von Lyrik (Der wider mein Erwarten doch stattfindet.) und über das Lesen schöngeistiger Literatur (Verzeihen Sie den antiquierten Ausdruck!) und überhaupt.
Ach, ich war einer Buchhändlerin begegnet. Sie gestand mir, die Liebesgedichte von Erich Fried zu lieben. Den sollte ich unbedingt kennen lernen. Sie zog fünf, sechs Bändchen aus dem Regal. Außerdem gäbe es da noch etwas, was mir sicher gefallen würde. Sie lief davon und kehrte mit einem schmalen roten Büchlein zurück. Schwärmerisch hielt sie es mir entgegen.
Ich gestehe, ich habe nicht einmal den (äußerst knappen) Klappentext gelesen. Beim ersten Aufblättern klappte zufällig eine hintere Seite mit einem Foto auf. Darauf der Autor mit seinem Schwein. Eine enthusiastische Buchhändlerin und ein Autor, der ein Schwein besitzt, das er am Halsband spazieren führt, das genügte: Ich kaufte das Bändchen.

Anderntags begann ich es vormittags zu lesen und legte es erst abends – nach der letzten Seite – aus der Hand.
Worum geht es? Bennett spielt die Frage durch, was passieren könnte, würde die Queen plötzlich zur leidenschaftlichen Leserin von Belletristik. Es zeigt sich, dass Lesen eine Leidenschaft von erstaunlich irritierender Kraft ist. Speziell in der Welt der „Messages“ und „Images“, in der permanent „lesen“ mit „informieren“ gleichgesetzt und also missverstanden wird.
Noch allgemeiner gefasst lautet die Frage: Was passiert mit und in einer zweckrationalen Welt, wenn sie mit der Lust an etwas „Zwecklosem“ konfrontiert wird?
Das ist keineswegs alles. Aber ich will der Entdeckungslust der Leser nicht vorgreifen.

Ein Wort noch zum Stil. Am schönsten ist: Bennett kommt ohne Radau, ohne hochtourige Comedy aus. Dieses Buch reißt keine Witze, es hat Witz. Der Kunstgriff, eine mächtige Person von Pflicht und Effizienz zu Bildung und Schönheit konvertieren zu lassen, wird von ihm zu verschmitzter Komik genutzt. Eine weitere Quelle des Vergnügens ist das Verschwimmen der Grenze zwischen Satire und genauem Realismus. Bennett beschreibt schlau die Realität, die ist Satire genug.
„Man liest zum Vergnügen“, sagte die Queen. „Lesen ist keine Bürgerpflicht.“
Dieses Buch ist glänzend dafür gemacht – fürs Vergnügen. Stürzen Sie sich hinein!

Übrigens ein Longseller. 2010 erschien die 13. Auflage.

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Spannend im üblichen Sinne ist dieses Buch nicht. Es hat keine Handlung. Einen roten Faden habe ich nicht gefunden. Worum es geht, habe ich nicht immer verstanden. Warum habe ich trotzdem von Weihnachten bis vorvorgestern jeden Tag eine oder zwei Seiten darin gelesen?
Wegen der Sprache. Die ist so umwerfend, dass ich manchmal vergaß, auf den Sinn der  Wörter zu achten. Stattdessen lauschte ich einer Musik, von der ich nicht weiß, ob sie mehr im Text steckte oder überwiegend in mir selbst. Doch halt! Den Vergleich mit der Musik nehme ich zurück. Er ist nur konventionell.

Vielleicht so: Vor Zeiten bekam ich in Abständen per Post Pralinenpakete. Jedes Stück darin eine Liebeserklärung an die Aromentüchtigkeit des Menschen und völlig ungeeignet zum gedankenlosen Futtern vorm Fernseher. Gemacht für das langsame, wache Genießen. Es dauerte öfters lange zehn Sekunden, bis der Inhalt seinen ganzen Zauber entfaltete. Dann aber hielt er viele Minuten an. Genüsse aromatischer Art empfand ich auch beim Lesen dieser kurzen Texte. Aphorismen, kurze Szenen, Beobachtungen, Maximen und Reflexionen, Splitter, Scherben über knapp 300 Seiten verstreut. Ein Sudelbuch der Postmoderne. Ungeordnet aus Überzeugung, weil alles Berichten eine Ordnung vortäuscht, Verstehen simuliert, wo doch Zusammenhanglosigkeit regiert. Unordnung als Prinzip, das sich selbst ad absurdum führt.

Strauss verzichtet ausdrücklich auf Ordnung und er verzichtet auf Jedermanns-Verständlichkeit. Sprache dient zu mehr als sich mitzuteilen und sie ist zu mehr in der Lage als zur Geschwätzigkeit weniger hundert Wörter. Um welche Themen geht es in diesem Buch? Um die Einfälle eines alten gebildeten Intellektuellen im Angesicht der Zeitläufte. Um Sprache, um Frauen, um Träume, um die Verhältnisse, um den Geist um … alles.
Ein Beispiel: „Denen die Augen leicht aufgehen, richten schnell über die armen Verblendeten. Doch vom Mysterium der Blendung wissen sie nichts.“ Das alles ist sehr formbewusst, mancher wird sagen elitär. Ich sage: „Slow food“ für die „happy few“. Am besten einen Happen zu sich nehmen, dann die Augen schließen und den Gedanken nachgehen.

Ein Tipp zum Schluss: Wenn Sie am Ende des Buches angekommen sind, lesen Sie die ersten Seiten noch einmal! Sie werden überrascht sein, was Sie noch entdecken und wie verständlich manches geworden ist, das anfangs nicht zu entschlüsseln schien.

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„Die Eleganz des Igels“ ist ein philosophisches Märchen. Wen bei dieser Kategorie sogleich der Coelho-Horror befällt, der sei beruhigt: Kein Vergleich!

Die dickliche Witwe Renée (54) und die frühreife Paloma (12) wohnen im selben herrschaftlichen Pariser Stadthaus. Renée unten in der Concierge-Wohnung und Paloma im wohlsituierten zweiten Stock. Beide sind hoch begabt und gebildet und beide kultivieren eine heimliche Überlegenheit über die anderen Bewohner des Hauses. Ihre Perspektiven sind verschieden, aber ihr Blick ist der gleiche: Verachtungsvoll sezieren sie die bürgerliche Oberschicht im Hause und notieren gallige Kommentare.
Keine von ihnen will sich mit dieser selbstgefälligen und groben Welt der Gier und des Scheins einlassen. Renée versteckt sich in der Rolle der Concierge und Paloma hat beschlossen, an ihrem dreizehnten Geburtstag Selbstmord zu begehen.

Dieser erste Teil ist eine Sammlung philosophischer Essays. Jedes der kurzen Kapitel voller frappierender Beobachtungen und aphoristischer Einfälle ist ein intellektuelles Lesevergnügen. Niemals gehen stilistische Leichtigkeit und Eleganz des Gedankens verloren. Auch tiefgründige Gedanken, von denen weit mehr vorkommen als die nummerierten 16, kommen leicht und unterhaltsam daher.

Die Splendid Isolation der beiden gerät ins Wanken, als Herr Ozu, ein pensionierter Japaner, in das Haus einzieht. Der nämlich entdeckt auf kurzem Wege die beiden in ihren Verstecken und holt sie hervor. Seine Kultiviertheit und Herzensbildung erwecken Renée und ermutigen Paloma. Was  im zweiten Teil des Buches erzählt wird, ist die Geschichte von Aschenputtel. Ort und Zeit der Handlung sind nach Paris und ins Heute verlegt, ansonsten bestimmt der Archetyp Cinderella die Geschichte.
Da sind die Zutaten: Schwere Kindheit, der Prinz, die Taube (Paloma), die (geborgten) Kleider und Exotik, die sich zum Exotismus steigert.
Die Botschaft: Glück aber liegt nicht in Schönheit oder Verstand, sondern einzig in der Liebe (zu dem Menschen und zu den Menschen).

Das ist Kitsch für die Bildungsschicht, der Groschenroman für Philosophen. Was im Bastei-Roman der Adel von Geblüt ist, ist hier der Adel des Geistes. In diesem Teil der Geschichte spaltete sich meine Persönlichkeit. Der eine Teil (Kopf) urteilte: „Ach herrjeh, die Japaner retten die Welt! Schmarrn!“ Der andere Teil (Herz)suhlte sich in Wohlgefallen und Sympathie.
Warum empfehle ich das Buch dennoch?
Aus sentimentalen Gründen und wegen seiner  Schönheit, seiner Eleganz. Vielleicht eher ein Sommerbuch, aber was für eines!

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Sully-Prudhomme war im 19. Jahrhundert weit gerühmt für seine Lyrik und ist heute vergessen. Zu Unrecht, wie ich finde. Mein Urteil stützt sich auf die angegebene deutsche Übersetzung, die vermutlich auch eine Auswahl ist.

Das Tagebuch ist intim, insofern es die Gedanken des Autors auch in den Facetten offenlegt, die er selbst nicht für öffentlichkeitswürdig oder öffentlichkeitsfähig hielt. Eine Scheuheit, die mir sympathisch ist. Subtilität und Formbewusstsein bestimmen den Ton. Das Grobe, das Bourgeois-Praktische ist dem Manne fremd. Ästhetizismus und Dekadenz ergeben zusammen mit einer Fülle von Ideen und Einfällen eine reizvoll-anregende Lektüre.

Immer wieder finden sich Sätze von solcher Müdigkeit und Ermattung und – selbst in der Übersetzung – solcher Schönheit, die die Lektüre zum Genuss machen. Ich kenne das Original nicht und kann die Qualität der Übersetzung nicht beurteilen, aber der deutsche Text hat mich gefangen und die Sprache hat mich begeistert. Ja, es ist die Farbe des Ennui, und ja, es sind die Farben der Melancholie; ein Regenbogen in grün und blau und grau – da und dort von zauberhafter Schönheit.
Zugleich gibt das Tagebuch einen Einblick in die Soziologie des überfeinerten Dandys mit all ihrer Weltverweigerung und dem vergeblichen Widerstand gegen burschikose Durchsetzungskraft und letztlich der Gefährlichkeit der duftigen Verlockungen des Morbiden – der ästhetischen Variante des heutigen Tags wieder zu beobachtenden Rückzugs in die Biedermeierlichkeit der kleinen Welt.
Zum Schluss zwei Kostproben.
„Ich bin es müde, meinen Tagesablauf niederzuschreiben.“
„Die Frauen sind entzückt von den Gedichten, die man ihnen widmet, oder besser, sie sind entzückt, dass man ihnen Gedichte widmet; es ist nicht wesentlich, dass sie sie verstehen.“

Alles Übrige sollten Sie selber lesen.

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J.M. Coetzee: Elizabeth Costello. Acht Lehrstücke

Die australische Schriftstellerin Elisabeth Costello hält Vorträge über Themen, die ihr wichtig sind, und hat fast immer Grund, es zu bereuen. Sie sucht, sie tastet, manchmal findet sie - und zweifelt daran und fragt sich, ob es lohnt, es aufzunehmen in den Text ihres Vortrages.
Ihre Vorträge klingen entschiedener als die denkt. Und natürlich werden sie ausgelegt, verwandeln sich ihre Texte beim Durchgang durch die Bedeutungssysteme der anderen, der Hörer. Was schwankend war wird fest und starr, weil das Unsagbare immer zwischen den Zeilen stehen muss und sich damit akademisch-logischer Beurteilung entzieht.
Ich bekenne: So habe ich das noch nie gelesen.
Das Buch häufig trocken und sperrig daher, dann wieder gibt es Abschnitte von verstörender Klarheit und Schönheit. Die Abschnitte über die Hinrichtung der Verschwörer vom Juli 1944 und über die Liebe zwischen Göttern und Menschen haben mich - lax gesagt - umgehauen. Wie gesagt: Der Leser braucht Geduld, aber es lohnt sich.